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Andreas Rüegger Gipfel und WC-Geschichten

Posted By admin On 5. August 2009 @ 14:19 In Tagebücher Teilnehmer | Comments Disabled

Die Nervosität steigt. Die Phase der Akklimatisation ist nun abgeschlossen. Morgen früh geht’s rauf ins Lager II und dann gleich weiter ins Lager III, wo uns das Ärzteteam nochmals Blut abzapfen wird. Sofern dann die Wetterbedingungen stimmen und wir die körperliche und geistige Fitness haben, sollten wir am 9. August auf dem Gipfel stehen.

Noch kann ich mir das allerdings noch nicht ganz vorstellen. Die gestrige Übernachtung im Lager II auf 5400m hat nicht allzu viel Erholung gebracht. Die Sauerstoffversorgung des Körpers ist dort oben nicht mehr so gut. Die meisten von uns schnappten nach ein paar normalen Atemzügen wieder  panisch nach Luft. Wie uns die Ärzte versicherten, seien diese Schlafapnöen jedoch ganz normal und ungefährlich. Einem erholsamen, tiefen Schlaf sind sie aber auf jeden Fall abträglich. Dennoch fühlte ich mich gestern fit genug noch bis auf 5800 m, bis an den Fuss des Razdelnaja aufzusteigen. Dort auf 6100m werden wir das Lager III aufschlagen. Bis jetzt habe ich mich recht gut gefühlt. Ich hatte stets einen guten Appetit (was auf grossen Höhen nicht bei allen so ist) und fühlte mich eigentlich recht gut. Nur die Sättigung meines Blutes mit Sauerstoff, welche wir zusammen mit unserem Ruhepuls morgens täglich messen, liess bisher etwas zu wünschen übrig. 

Ich bin auch daher gespannt, wie es sein wird, auf 6100m zwei Nächte hintereinander zu verbringen, bevor es auf den Gipfel geht. Unter der strengen Beobachtung der Ärzte zu stehen, ist sehr beruhigend. Sollte es meine Gesundheit nicht zulassen, die „normalen“ Kopfschmerzen mit einer Tablette nicht weggehen, so werde ich vom Lager III mit erhobenem Kopf wieder absteigen. Für den Gipfeltag müsste ich alle Kräfte und meine gesamte Energie beisammen haben. Die Regeln sind klar: Aufbruch um 5 Uhr, Gipfel erreicht um 13 Uhr. Wer dies nicht schafft, kehrt ins Lager III zurück. Je nach Verfassung, Wetter und Umstände sollten wir dann sogar noch ins Lager II absteigen, denn dort ist eine bessere Erholung gewährleistet.

Im Lager II  unter rund 80 Zelten,  fällt unsere Expedition übrigens besonders auf. Wir sind die einzigen mit einem „Scheisshaus“ mit Aussicht. Das heisst, wir haben ein Camping-WC umgeben von hohen Schneemauern. Norbu Sherpa hat diesen Luxus gebaut. Auch die Teilnehmer anderer Expeditionen wissen dies zu schätzen, auch wenn deren Sauberkeitstandards teilweise etwas zu wünschen übrig lassen. Der Umweltschutz kommt nicht zu kurz. Unsere Exkremente werden zur Kompostierung in einem Fass ins Basislager gebracht.

Egal wie es in den nächsten Tagen laufen wird, ich freue mich schon auf das Wichtigste: meine Freundin und unsere Tochter wieder zu sehen.

Andreas Rüegger [1]


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