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Jasmina Meier aus dem Lager I

1 Teekrug voll gereche vada (heissses Wasser), gemischt mit einer Flasche kaltem, etwas Shampoo dazu und ein grosses Becken - und das Freiluft-Haarewaschen mit dem Pik im Hintergrund befreit vom Kratzen und Beissen auf dem Kopf.

Auch das Schneebad mit Abreiben im Schnee von Kopf bis Fuss gehört für mich schon zum Morgen und- Abendritual, anderen genügt ein Frischetüchlein oder die rein gedankliche Wäsche - Gedankenwäsche ist es sowieso, denn viel zu studieren nützt eh nichts, da alles seinen eigenen Lauf nimmt und nehmen wird. Also doch lieber gar nicht zuviel denken und sich auch keine Sorgen machen - sondern “eis nach em andere” - das jedenfalls mein Motto.

Es ist der Augenblick, hier und jetzt, dem ich meine Aufmerksamkeit schenke, dem Blick auf den Gipfel und das weiss vergletscherte Panorama, der Stille und das sich Zeit nehmen müssen möglichst nichts zu tun, um sich optimal an die Höhe zu akklimatisieren. Bei jedem Schritt zum Klozelt das einige Meter höher steht geht der Puls schneller und ich atme wie bei Schwerstarbeit - doch oben angekommen gibts meist eine willkommen Pause durch die Warteschlange.

Die Sonne brennt, nach den Blutentnahmen üben wir das Anseilen und montieren der Steigeisen, denn morgen gehts hoch ins Lager 2 - eine steile Gletscherflanke  bis auf 5300m. Von hier aus gut zu sehen die Spur - senkrecht hoch wie Ameisen und sherpalike - langsam aber stetig. Wetten, dass ich morgen wünschte ich hätte 6 Beine!

Jasmina Meier

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