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Jasmina Meier aus dem Basislager

Posted By admin On 28. Juli 2009 @ 16:37 In Tagebücher Teilnehmer | Comments Disabled

In einem undefinierten Gefühlszustand, ja fast gedankenlos, spürte ich auf dem Weg zum Gate E53 in Kloten eine Ruhe und Gelassenheit, die nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln ist, sondern eher wie eine Leere, ein Vakuum, im Sinne von „one step at the time“. So fühlte ich mich ganz im Moment und gegenwärtig.

Wie kann nun ich diese unzähligen erlebten Eindrücke seit dem Abflug in Zürich in Worte bringen, sodass sie für euch Daheimgebliebenen wenigstens annähernd nachvollziehbar sind?

In einer fremden Kultur erzählt jeder Moment eine bunte Geschichte, z.B. von den dutzend grünen Heuschrecken in der Empfangshalle in Osh, die grünen überproportionalen, bratpfannenförmigen Filzhüte der Aufseher oder das WC-Papier in Stretch-Crepepapier-Qualität.
Geduldstrapazierend das Warten hinter den Absperrgittern in Osh bis wir nach dem letzten Flug „freigelassen“ wurden und das erst nach dem gezahlten Bussgeld fürs unerlaubte Fotografieren der russischen Propellermaschine.
Doch das Eindrücklichste und auch Abenteuerlichste war die 12-stündige Fahrt mit dem „Lastwagen“, einem russischen Armeegefährt, über Pisten, Pässe, durch tiefe Täler mit Jurten und winkenden Kindern, durch die Schlichtheit ergreifende grüne Matten und wilde rauhe Bergflanken. Durchgeschüttelt bis auf die Knochen, einer permanenten Ganzkörpermassage unterzogen, mit dreifachen Jumps zur Decke und – ich erlebte meinen ersten Höhenflug im Yogisitz – dachte ich nicht, dass ich so hoch abheben kann! Dank einem Loch im Schlauch hatten wir viele Stopps – für den Fahrer Igor zum Wasser nachfüllen und für uns zum Wasser ablassen. Selbst das Gepäck mit Bier, Coca Cola, Wasser, Brot und Früchten, beschwert mit unseren Rucksäcken, halbierte sich zumindest visuell um die Hälfte und bewegte sich lawinenartig nach vorne.
Fast von einem chinesischen Teekrug erschlagen oder von den medizinischen Forschungsmaterialkisten und Seesäcken erdrückt, erreichten wir nach einer Schüttelbecher- Bachbettfahrt das von Edelweiss, Vergissmeinnicht, Zelten und Jurten umsäumte Basislager. Der Blick auf den im strahlenden Sonnenlicht leuchtenden Pik Lenin, gespiegelt im klaren Bergsee vor dem Camp, versöhnte uns für alle Strapazen, und in Demut zu Füssen des weissen Gipfels sinke ich im warmem Schlafsack in einen tiefen Schlaf.

Jasmina Meier [1]


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