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Andreas Rüegger über seinen Aufstieg zum Gipfel

Am 8. August um 3 Uhr hiess es aufstehen, im engen Zelt seine sieben Sachen zu suchen und sich anzuziehen ohne der Kälte ihren Tribut zu zollen. Um 5 Uhr schliesslich stand ich vollständig in warme Daunen eingepackt vor dem Zelt. In der Dunkelheit hörte ich Kari Kobler sagen: „Geh mit dieser Gruppe“. Ich wusste bis zur ersten Pause nicht mit welchen Teammitgliedern ich eigentlich unterwegs war. Den ersten ruppigen Anstieg und auch die Kletterpartie an der Sichel, welche mit einem Fixseil gesichert war, konnte ich noch gut bewältigen.

Probleme gab es erst auf einer Höhe von rund 6700 m. Rund 400 Höhenmeter unterhalb des Gipfel auf genau 6740 m habe ich den vernünftigen Entscheid getroffen, umzukehren.

Den Kampf gegen den Berg habe ich nicht verloren. Sagen wir Mal es war ein Unentschieden. Den ich bin gesund ins Lager I zurückgekehrt. Die Beine und Lunge waren bei der Umkehr noch top, doch ich sah plötzlich die Spuren im Schnee nicht mehr. Ich fühlte mich wie unter Drogen. Die einzelnen Fussspuren unserer riesigen Expeditionsschuhe verschmolzen zu einer einzigen undefinierbaren Trampelspur und ich wankte einige Male bedrohlich zur Seite. Diese ersten Anzeichen einer Höhenkrankheit (nebst beginnenden Kopfschmerzen) konnte und wollte ich nicht ignorieren. Ich hätte wohl die zweieinhalb Stunden auf den Gipfel noch geschafft, den Abstieg aber nicht mehr sicher bewältigen können. So habe ich mit dem vernünftigen Entscheid zur Umkehr auch einen gepunktet. Der Berg hat mich nicht vollständig besiegt, ich bin Mittags heil im Lager III eingetroffen.

Auf die Symptome der Höhenkrankheit (fehlende Konzentration und Schwindel) zurückzuführen war im Abstieg zum Lager III auch eine kleinere unfreiwillige Rutschpartie, die ich unversehrt überstanden habe.

Klar wäre ich sehr gerne auf dem Gipfel gestanden und es tat auch weh den Kollegen, welche hinter mir aufstiegen erklären zu müssen, dass es für mich heute keinen Gipfelerfolg geben würde. Dennoch bin ich stolz auf meine Leistung und die erreichte Höhe ist auch ein neuer persönlicher Rekord. Aber das wichtigste ist, dass ich heute nach den ärztlichen Untersuchungen mit Blutentnahme auf 6000m mit allen anderen Teammitgliedern, welche heute noch oben waren, gesund ins Lager I absteigen konnte. Das Bier das ich hier direkt nach Ankunft geniessen konnte, war unglaublich gut.

Andreas Rüegger

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