Archive for the ‘Tagebücher Teilnehmer’ Category

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Andreas Rüegger, Aufbruchstimmung im Lager I

Dienstag, August 11th, 2009

Die Besteigungssaison im Lager I (Advanced Basecamp) ist langsam zu Ende. Immer mehr Zelte werden abgebaut und für den Abtransport ins Tal vorbereitet. Die Auf- (oder eher Abbruch)stimmung zeigt sich auch daran, dass die Dusche im Lager I nicht mehr funktioniert. So stinken wir alle halt noch ein bisschen mehr, ausser wir wagen uns mit eiskaltem Gletscherwasser zu waschen. Falls die Sonne heute genügend wärmt, werde ich mich wohl für das Bad im Gletscherbach entscheiden.

Gestern konnten wir die ersten Gepäckstücke ins Basislager transportieren lassen. Die armen Esel und Maultiere konnten einem Leid tun. Jedes dieser Viecher musste wohl über hundert Kilo auf einem schmalen Trampelpfad ins Tal tragen.

Heute finden die letzten ärztlichen Untersuchungen statt. Ein letztes Mal wird unser Blut abgezapft und schliesslich werden wir auch erfahren, ob wir die echten Vitamine oder nur Placebo geschluckt haben. Mein Gefühl tendiert darauf, dass ich Pillen ohne Wirkstoffe geschluckt habe.

Ich freue mich enorm auf die Heimkehr und träume täglich von meinen Liebsten zu Hause. Die letzten Tage der Expedition sind eigentlich nur noch mühsam, da unser Ziel „Pik Lenin“ nun bereits hinter uns liegt. Wir wünschten uns wohl alle, wie Scottie bei „Raumschiff Enterprise“ uns heim beamen zu lassen.

Dennoch stehen noch ein paar kleinere Höhepunkte an.:Ein Grossteil von uns gehört zu den  Wagemutigen (auch  ich gehöre dazu), die mit einer mindestens 40-jährigen Antonow An-2, dem grössten einmotorigen Doppeldecker, vom Basislager nach Osh fliegen werden. So bleibt uns die 10-stündige, rumplige Fahrt mit Geländefahrzeugen erspart, doch wird wohl auch der Flug mit der An-2, mit ihrer harten Fallschirmjägerbestuhlung, nicht zu einer luxuriösen Angelegenheit.

Ich freue mich auch in Osh den orientalischen Markt nochmals besuchen zu dürfen. Vielleicht findet sich dort noch ein schönes Souvenir. Ganz sicher werde ich mich mit ein paar feinen Nüssen (Pistazien, Walnüsse und weitere hat es im Überfluss) eindecken. Sie sind eine perfekte Reiseverpflegung.

Andreas Rüegger

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Jasmina Meier über ihren Aufstieg zum Gipfel

Sonntag, August 9th, 2009

3 Uhr morgens – es schneit und windet heftig. Es ist Gipfeltag – aufgrund der Wetterprognose einen Tag früher als geplant – und in den Zelten werden Glieder und Schnee in höhenbedingter Langsamkeit aufgetaut. Unterm gefrorenen Zeltdach ziehen wir alles an, was wir noch nicht bereits an hatten bis und mit Daunenjacke, während im Kocher der Schnee vor sich hin schmilzt. Es ist eiskalt und die Wärmesäcklein für Schuhe und Handschuhe wollen fast nicht warm werden.
Punkt 5 Uhr ist Abmarsch, der volle Mond steht hoch am Himmel und beleuchtet die umgebenden Gletscher und Gipfel.
Der Anstieg ist ein ‘Chrampf” von Beginn an, die Luft ist knapp, meine Beine sind schwer, jeder Schritt dauert Sekunden. Ja nicht hoch schauen, denn der steile Hang ist fast unendlich, sondern wie in Trance im eigenen Tempo kämpfe ich mich hoch. Auf 6450m, auf dem ersten Sattel, beim Camp IV wird mir klar, dass zwar die Fotobatterien voll geladen sind, meine körperlichen jedoch fast auf Null sind. Ob es der fehlende Ruhetag im Lager III war oder einfach nicht mein Tag – wer weiss. Während dem Andere wieder absteigen oder weiter aufsteigen, geniesse ich mit meiner Leidensgenossin die grandiose Aussicht über die Grenze und die Pamirkette nach Tatschikistan.
Sogar für ein paar Stücke auf der Ocarina reicht mir der ‘Schnuuf’.
Mit Zufriedenheit über die erreichte Höhe als mein persönlicher Höhenrekord und die erbrachte Leistung, steigen wir zusammen ab und sind glücklich, das Camp III erschöpft aber bei guter Gesundheit erreicht zu haben. Es ist ein Geschenk, den Gipfel zu erreichen, doch es ist auch Gnade, seine Grenzen anzuerkennen und damit glücklich zu sein.

Gipfel hin oder her – ich bin erfüllt von diesem Grenz-Erlebnis und trotz Vorfreude auf erholsame Nächte und eine warme Dusche nehme ich mit etwas Wehmut Abschied von der beeindruckenden Höhe und Gebirgswelt auf über 6000m. Fast zu schnell geht es für mich wieder talwärts.

Mit schwerem Rucksack wieder im Lager I angekommen nahm ich wie ein feierliches Ritual ein erfrischendes Bad im Gletscherbach – das tut mir rundum gut nach all diesen körperlichen und psychischen Strapazen und ich fühle mich lebendig und erfüllt.

Und wie auf dem Zettel zum Empfang in meinem Zelt stand: ‘Das echte Leben ist nicht der Gipfel (zwar manchmal schon…!)’ finde ich diese ganze Reise ein Gipfelerlebnis.

Jasmina Meier

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Andreas Rüegger über seinen Aufstieg zum Gipfel

Sonntag, August 9th, 2009

Am 8. August um 3 Uhr hiess es aufstehen, im engen Zelt seine sieben Sachen zu suchen und sich anzuziehen ohne der Kälte ihren Tribut zu zollen. Um 5 Uhr schliesslich stand ich vollständig in warme Daunen eingepackt vor dem Zelt. In der Dunkelheit hörte ich Kari Kobler sagen: „Geh mit dieser Gruppe“. Ich wusste bis zur ersten Pause nicht mit welchen Teammitgliedern ich eigentlich unterwegs war. Den ersten ruppigen Anstieg und auch die Kletterpartie an der Sichel, welche mit einem Fixseil gesichert war, konnte ich noch gut bewältigen.

Probleme gab es erst auf einer Höhe von rund 6700 m. Rund 400 Höhenmeter unterhalb des Gipfel auf genau 6740 m habe ich den vernünftigen Entscheid getroffen, umzukehren.

Den Kampf gegen den Berg habe ich nicht verloren. Sagen wir Mal es war ein Unentschieden. Den ich bin gesund ins Lager I zurückgekehrt. Die Beine und Lunge waren bei der Umkehr noch top, doch ich sah plötzlich die Spuren im Schnee nicht mehr. Ich fühlte mich wie unter Drogen. Die einzelnen Fussspuren unserer riesigen Expeditionsschuhe verschmolzen zu einer einzigen undefinierbaren Trampelspur und ich wankte einige Male bedrohlich zur Seite. Diese ersten Anzeichen einer Höhenkrankheit (nebst beginnenden Kopfschmerzen) konnte und wollte ich nicht ignorieren. Ich hätte wohl die zweieinhalb Stunden auf den Gipfel noch geschafft, den Abstieg aber nicht mehr sicher bewältigen können. So habe ich mit dem vernünftigen Entscheid zur Umkehr auch einen gepunktet. Der Berg hat mich nicht vollständig besiegt, ich bin Mittags heil im Lager III eingetroffen.

Auf die Symptome der Höhenkrankheit (fehlende Konzentration und Schwindel) zurückzuführen war im Abstieg zum Lager III auch eine kleinere unfreiwillige Rutschpartie, die ich unversehrt überstanden habe.

Klar wäre ich sehr gerne auf dem Gipfel gestanden und es tat auch weh den Kollegen, welche hinter mir aufstiegen erklären zu müssen, dass es für mich heute keinen Gipfelerfolg geben würde. Dennoch bin ich stolz auf meine Leistung und die erreichte Höhe ist auch ein neuer persönlicher Rekord. Aber das wichtigste ist, dass ich heute nach den ärztlichen Untersuchungen mit Blutentnahme auf 6000m mit allen anderen Teammitgliedern, welche heute noch oben waren, gesund ins Lager I absteigen konnte. Das Bier das ich hier direkt nach Ankunft geniessen konnte, war unglaublich gut.

Andreas Rüegger

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Andreas Rüegger aus dem Lager II

Donnerstag, August 6th, 2009

Angekommen im Lager II

Der Aufstieg ins Lager II war heute sehr hart. Ich hatte müde Beine.
Schliesslich aber konnte ich zusammen mit meinem Zeltpartner Martin Hug  bei 23 Grad vor dem Zelt Salami und Darvida geniessen. Was für ein Leben. Dank den guten Wetterprognosen ist vielleicht bereits übermorgen ein Gipfelerlebnis möglich.  Ich freue mich.

Andreas Rüegger

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Andreas Rüegger Gipfel und WC-Geschichten

Mittwoch, August 5th, 2009

Die Nervosität steigt. Die Phase der Akklimatisation ist nun abgeschlossen. Morgen früh geht’s rauf ins Lager II und dann gleich weiter ins Lager III, wo uns das Ärzteteam nochmals Blut abzapfen wird. Sofern dann die Wetterbedingungen stimmen und wir die körperliche und geistige Fitness haben, sollten wir am 9. August auf dem Gipfel stehen.

Noch kann ich mir das allerdings noch nicht ganz vorstellen. Die gestrige Übernachtung im Lager II auf 5400m hat nicht allzu viel Erholung gebracht. Die Sauerstoffversorgung des Körpers ist dort oben nicht mehr so gut. Die meisten von uns schnappten nach ein paar normalen Atemzügen wieder  panisch nach Luft. Wie uns die Ärzte versicherten, seien diese Schlafapnöen jedoch ganz normal und ungefährlich. Einem erholsamen, tiefen Schlaf sind sie aber auf jeden Fall abträglich. Dennoch fühlte ich mich gestern fit genug noch bis auf 5800 m, bis an den Fuss des Razdelnaja aufzusteigen. Dort auf 6100m werden wir das Lager III aufschlagen. Bis jetzt habe ich mich recht gut gefühlt. Ich hatte stets einen guten Appetit (was auf grossen Höhen nicht bei allen so ist) und fühlte mich eigentlich recht gut. Nur die Sättigung meines Blutes mit Sauerstoff, welche wir zusammen mit unserem Ruhepuls morgens täglich messen, liess bisher etwas zu wünschen übrig. 

Ich bin auch daher gespannt, wie es sein wird, auf 6100m zwei Nächte hintereinander zu verbringen, bevor es auf den Gipfel geht. Unter der strengen Beobachtung der Ärzte zu stehen, ist sehr beruhigend. Sollte es meine Gesundheit nicht zulassen, die „normalen“ Kopfschmerzen mit einer Tablette nicht weggehen, so werde ich vom Lager III mit erhobenem Kopf wieder absteigen. Für den Gipfeltag müsste ich alle Kräfte und meine gesamte Energie beisammen haben. Die Regeln sind klar: Aufbruch um 5 Uhr, Gipfel erreicht um 13 Uhr. Wer dies nicht schafft, kehrt ins Lager III zurück. Je nach Verfassung, Wetter und Umstände sollten wir dann sogar noch ins Lager II absteigen, denn dort ist eine bessere Erholung gewährleistet.

Im Lager II  unter rund 80 Zelten,  fällt unsere Expedition übrigens besonders auf. Wir sind die einzigen mit einem „Scheisshaus“ mit Aussicht. Das heisst, wir haben ein Camping-WC umgeben von hohen Schneemauern. Norbu Sherpa hat diesen Luxus gebaut. Auch die Teilnehmer anderer Expeditionen wissen dies zu schätzen, auch wenn deren Sauberkeitstandards teilweise etwas zu wünschen übrig lassen. Der Umweltschutz kommt nicht zu kurz. Unsere Exkremente werden zur Kompostierung in einem Fass ins Basislager gebracht.

Egal wie es in den nächsten Tagen laufen wird, ich freue mich schon auf das Wichtigste: meine Freundin und unsere Tochter wieder zu sehen.

Andreas Rüegger

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Felix Naef aus dem Lager I und Abschieds Grüsse an alle

Sonntag, August 2nd, 2009

Adieu Pik Lenin
Adieu liebe Kolleginnen
Adieu liebe Blog LeserInnen

Vom 31. Juli auf den 1. August flacher Schlaf, durchzogen mit einer längeren, für mich noch nie erlebten Phase des Herzrasens. Trotzdem bin ich um 4′00 munter aufgestanden um ab 5′00 zum zweiten Höhenlager hoch zu steigen. Das Herzrasen sei ein Höhenphänomen, das viele hier auf 4′400 m über Meer erleben, hat mir  einer der Ärzte versichert. So hab ich mich zuversichtlich  mit meiner Seilschaft auf den Weg gemacht. Ehrgeizig wie ich bin, hab ich mich entschieden all mein Gepäck, das für Besteigung des Pik Lenin ab dem zweiten Höhenlager notwendig ist, selber hoch zutragen. Eine unvergessliche Besteigung im Team. Die wechselnden Ausblicke, die sich ändernden Perspektiven, der erwachende Tag, die wärmende Sonne, die schmeichelnden Wolken mit kühlenWindstössen, die sich verdünnernde Luft bleiben in lebhafter Erinnerung. Auf- und Abstieg hab ich mühelos geschafft, jede Minute genossen. Dann heute morgen der Entscheid nach speziellen Wirren die Expedition abzubrechen. Was wenn mein Herzklappenfehler trotz guter körperlicher und geistiger Verfassung ungewollte Komplikationen hervorbringt? Meiner Familie zu Hause hab ich versprochen nichts zu riskieren. Meiner neu gewonnen Familie hier am Berg möchte ich nicht zum Verhängnis werden.

Wunderbare Tage hab ich mit Euch erlebt. Ich danke Euch für die gewonnen Freundschaften und wünsche Euch viel Erfolg bei der Besteigung des Pik Lenin. Dem ganzen Leitungsteam danke ich herzlich  für Eure hervorragende Arbeit.

Kirgisien hält mehr Geheimnisse für mich bereit, als den Pik Lenin. Ich freue mich auf die neue Herausforderung.  

Felix Naef

Anmerkung Redaktion:

Felix Näf (ist nicht die Erkrankte Person) wird uns als Blog Schreiber Verlassen, seine Gesundheit ist ihm mehr wert als der Pik Lenin, Hut ab, das braucht Profil und wir werden Dich als Blog Schreiber sehr Vermissen Felix. Alles Gute und ich bin sicher dass Du einer der Intesivsten Website Besucher sein wirst bis Deine neu gewonnenen Freunde aus Kirgistan zurück kommen.

Liebe Grüsse, Webmaster swiss-exped

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Andreas Rüegger aus dem Basislager

Sonntag, August 2nd, 2009

Neuer Höhenrekord…

Am heutigen Ruhetag läuft ganz gemütliches Lagerleben. Wie die Meisten widme ich meine Zeit der Körper- und Materialpflege. Beides ist in den letzten Tagen etwas zu kurz gekommen. Die Kleider und Schuhe, wie auch der Körper stinken schon ein bisschen, aber das stört hier eigentlich kaum jemanden, denn allen geht es gleich.

Der gestrige Tag war dagegen sehr ereignisreich. Nach einer kurzen Nacht mit ganz wenig Schlaf ging es bereits um 5 Uhr los, quer über den Gletscher auf den Weg zum Lager II in 5440. In ganz kleinen Schritten stapften wir den Berg rauf. Der Gipfel schien uns bereits so nah, doch sagten unsere Höhenmesser, dass uns noch beinahe 2000 Meter vom Gipfel trennen. Die Nordwand des Pik Lenin ist so unglaublich hoch. Kaum zu glauben, dass wir den Gipfel in ein paar Tagen schaffen sollten.

Angekommen im Lager II deponierten wir in unseren Zweierzelten Essmaterialien und sonstiges Zeugs, das wir in den kommenden Tagen in Lager II und III brauchen werden. Viel mehr mochten wir nicht tun. Prahlten ich und Martin Hug bei einer Rast auf 5000m noch, dass wir als erstes in Lager II eine feine Wurst essen würden, vermochten wir im Lager gerade noch einen Riegel und ein paar Trockenfrüchte zu essen. Dennoch freute ich mich über einen persönlichen Höhenrekord. So hoch oben war ich noch nie.

Schon beim Aufstieg sahen wir, dass ein Expeditionsmitglied gesundheitliche Probleme hatte. Im untersten Teil des Abstiegs ins Lager I schlossen wir auf die Rettungskolonne auf. Die Hilfeleistung war sehr schnell und professionell, was mich sehr beruhigte. Bereits am Abend traf ein riesiger Helikopter ein und die Evakuation konnte eingeleitet werden. Ich bin sehr erleichtert, dass die Hilfe so schnell geklappt hat und es unserem Teammitglied nach neusten Informationen wieder besser geht.

So ein Ereignis geht einem sehr nahe und persönliche Höhenrekorde sind dann so ganz und gar unwichtig.

Andreas Rüegger

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Jasmina Meier aus dem Lager I

Sonntag, August 2nd, 2009

„Häsch du Empfang?“, „Jeah, ich ha es SMS übercho – sie dänked a mich!“ oder „Gits scho heisses Wasser zum wäsche?“ - das sind Sätze von heute morgen im Zeltdorf.

Es ist wohlverdienter Ruhe-, Wasch-, und Duschtag – jedenfalls für die meisten – und vor den Zelten hängen nicht nur Schweizer-,Walliser- und Aargauerfahnen sondern Socken, Unterhosen und Hemden und die von gestern erprobten Expeditionsschuhe trocknen an der prallen Sonne. Doch Sonne und Schnee wechseln sich im Stundentakt à la SBB ab und es ist ein ständiges Rein- und Rausräumen.
Rein und raus ist auch das zweite Hauptthema des Tages: Es wird gepackt fürs Lager 2. In jedem Zelt herrscht Aufbruchstimmung: Alles Gepäck wird im Kopf gewogen, abgezählt und auf seine Wichtigkeit schamlos überprüft: Anzahl Fertigmenübeutel ‘Rindfleischstroganoff mit Nudeln’ oder ‘Jägertopf mit Reis’, Slipeinlagen, Powerriegel, Wäsche und Feuchttüchlein, Bisifllasche, persönliche Medikamente, Plastiksäcke zum Schnee holen… Die Hoffnung ist gross, dass der zweite Aufstieg trotz etwas schwererem Rucksack mit Mätteli und Schlafsack leichter sein wird als gestern, wo ich – wie gewettet – gerne sechs Beine gehabt hätte! Es war ein enorm anstrengender Aufstieg und ich spürte die Höhe durch zunehmendes Kopfweh. Heimische Mostbröckli und Käse mit Darvida waren meine Rettung in der kurzen Pause im Lager Zwei.

Beim Abstieg konnte ich die Wahrheit jener Aussage der Höhenbergsteiger erahnen, dass der erklommene Gipfel nur der halbe Erfolg ist – der Abstieg ist nicht zu vergessen, und mit der ersten Schmerztablette meines Lebens bewegten sich meine Beine wie in Trance müde bergabwärts. Mit leichtem Halsweh ruhe ich im tropischen Zeltklima und versuche mich in Gelassenheit, guten Mutes und körperlich-geistig-emotionaler Entspannung und hoffe auf bleibende Gesundheit.

Jasmina Meier

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Jasmina Meier aus dem Lager I

Freitag, Juli 31st, 2009

1 Teekrug voll gereche vada (heissses Wasser), gemischt mit einer Flasche kaltem, etwas Shampoo dazu und ein grosses Becken - und das Freiluft-Haarewaschen mit dem Pik im Hintergrund befreit vom Kratzen und Beissen auf dem Kopf.

Auch das Schneebad mit Abreiben im Schnee von Kopf bis Fuss gehört für mich schon zum Morgen und- Abendritual, anderen genügt ein Frischetüchlein oder die rein gedankliche Wäsche - Gedankenwäsche ist es sowieso, denn viel zu studieren nützt eh nichts, da alles seinen eigenen Lauf nimmt und nehmen wird. Also doch lieber gar nicht zuviel denken und sich auch keine Sorgen machen - sondern “eis nach em andere” - das jedenfalls mein Motto.

Es ist der Augenblick, hier und jetzt, dem ich meine Aufmerksamkeit schenke, dem Blick auf den Gipfel und das weiss vergletscherte Panorama, der Stille und das sich Zeit nehmen müssen möglichst nichts zu tun, um sich optimal an die Höhe zu akklimatisieren. Bei jedem Schritt zum Klozelt das einige Meter höher steht geht der Puls schneller und ich atme wie bei Schwerstarbeit - doch oben angekommen gibts meist eine willkommen Pause durch die Warteschlange.

Die Sonne brennt, nach den Blutentnahmen üben wir das Anseilen und montieren der Steigeisen, denn morgen gehts hoch ins Lager 2 - eine steile Gletscherflanke  bis auf 5300m. Von hier aus gut zu sehen die Spur - senkrecht hoch wie Ameisen und sherpalike - langsam aber stetig. Wetten, dass ich morgen wünschte ich hätte 6 Beine!

Jasmina Meier

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Felix Naef aus dem Lager I

Freitag, Juli 31st, 2009

Floristisch-faunistischer Nachrag
Zuerst zur Talebene : Zwei wichtige Gartenpflanzen edler Gärten, sind nicht erwähnt worden : die Moschus-Salbei und die Eselsdistel. Zwei typische Pflanzenarten der innerasiatischen Steppen.

Im Basislager dann die Vielfalt so ähnlich und so anders wie in den Alpen zu Hause. Dem Klima entsprechend viel silbriger als in der Schweiz. Viele der Blätter sind silbrig, oft auch dicht behaart als Schutz gegen die extreme Sonne, die Trockenheit und die Blätter haben, weiss man in einem anderen Land zu sein. Die Gemeinsamkeit ist der Name Edelweiss. Der Name dieser mythischen Pflanze ist im Kirgisischen aufgenommen worden. Ein guter Gesprächseinstieg mit den lokalen Bevölkerung, alles nomadisierende Bauern.

Nicht ein, sondern bereits vier verschiedene Scnittlaucharten konnten wir blühend entdecken; durchaus auch garten- und küchenwürdige Arten.
Dann der Schneeeinbruch beim Aufstieg in Basislager1. Aus der Vegeationszone hoch in die Gletcherwelt. Doch auch hier,  auf 4′400m ü.M., auf einer Moräne, leben noch Überlebenskünstler: Steinbreche, Steintäschel, ein Gletscherhahnenfuss. Die dominanteste Art hat silbrge Blätter, kopfige, purpurne Blüten, die völlig exotisch ist, noch keiner Familie zugeteilt werden konnte.

Die Magenflora hat sich mehrheitlich erholt.

Die faunistische Vielfalt nimmt mit der Höhe ab. Am häufigsten sind Schmetterlinge, die zeigen, dass trotz grosser Kälte auch viel Wärme auf dieser Höhe möglich ist. Momentan schwitzen wir bei 20 Grad Celsius.

Felix Naef

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Andreas Rüegger aus dem Lager I

Freitag, Juli 31st, 2009

Ins Lager I hinauf zu steigen war schon etwas anstrengend. Das Tempo glich zwar eher einem Sonntagsspaziergang, doch war ich schliesslich sehr froh, dass es nicht schneller ging. Oben auf 4420m angekommen brummte mein Schädel, ähnlich wie nach einer durchzechten Nacht. Ein feines Mittagessen, ein Schläfchen und dann schon wieder ein Nachtessen und dann noch eine gute Nacht liessen mich jedoch heute morgen meine Lebensgeister wieder spüren.

Hier im Lager ist das Leben gemütlich. Es lässt sich aushalten: Etwas lesen, Tee trinken, schlafen und an meine Liebsten denken.

Den heutigen Tag werden ich ein wenig mein Material sortieren und mir überlegen, was ich auf unseren morgigen Ausflug ins Lager II mitnehmen werde. Meine Nepali-Daunenjacke und sonstiges warmes Zeugs landet in einem Depot im Lager II. Der Aufstieg sieht schon etwas hart aus. Nach ein paar hundert Meter übe den Gletscher geht’s “pfiife grad” den Gletscher rauf. Die Spalten sehen zum Glück nicht allzu gefürchtig aus. Das grösste Problem neben der Höhe wird allerdings wohl die Hitze sein.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht und wie ich die nächste harten Tage prestieren werde. Mir geht es gut und ich freue mich auf das Kommende….

Andreas Rüegger

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Peter Ladriere aus dem Base Camp

Mittwoch, Juli 29th, 2009

Seit der Zusammenkunft am Samstag, 25. Juli am Flughafen in Zürich mit anschliessend erster Blutentnahme, Einchecken zum Flug Richtung Zentralasien (über Istanbul nach Bishkek) wo alle Teilnehmer ihr Visum erhalten haben und anschliessender Wartezeit mit einem zu kurz geratenen Nickerchen im Flughafensessel ging es nach einem fremd anmutenden Frühstück zum Weiterflug nach Osh. Hier haben wir uns nocheinmal mit einem ausgezeichneten Nachtessen aus chinesischem Hause gestärkt, um anschliessend für längere Zeit ein letztes Mal Bettgefühle zu geniessen.
Am Montag, 27. Juli ging es schliesslich frühmorgens mit einem kirgisischen Geländefahrzeug in 10 Stunden über 4000 Meter hohe Pässe und holprige Pisten ins Basislager Ashik Tash.
Unser erster Zuhause am Fusse des Pik Lenin liegt auf 3595 Meter über Meer.
Am Dienstag, 28.Juli haben wir uns im Basislager fertig eingerichtet und ein zweites Mal „Blut gespendet“. Das Motto hier: Langsam und geduldig – so schützen wir uns vor Kopfschmerzen und unterstützen die dringend nötige Akklimatisation.
Nach einer sehr windigen und ebenso nassen Nacht ging es trainingshalber auf einen gemütlichen „Gwaggel“ - quasi neben bei auf einen 4000er.
Bis zum heutigen Tag läuft alles im Grünen Bereich! Ich bin voller Tatendrang und guten Mutes für die nächsten Tage!

Peter Ladriere

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Jasmina Meier aus dem Basislager

Dienstag, Juli 28th, 2009

In einem undefinierten Gefühlszustand, ja fast gedankenlos, spürte ich auf dem Weg zum Gate E53 in Kloten eine Ruhe und Gelassenheit, die nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln ist, sondern eher wie eine Leere, ein Vakuum, im Sinne von „one step at the time“. So fühlte ich mich ganz im Moment und gegenwärtig.

Wie kann nun ich diese unzähligen erlebten Eindrücke seit dem Abflug in Zürich in Worte bringen, sodass sie für euch Daheimgebliebenen wenigstens annähernd nachvollziehbar sind?

In einer fremden Kultur erzählt jeder Moment eine bunte Geschichte, z.B. von den dutzend grünen Heuschrecken in der Empfangshalle in Osh, die grünen überproportionalen, bratpfannenförmigen Filzhüte der Aufseher oder das WC-Papier in Stretch-Crepepapier-Qualität.
Geduldstrapazierend das Warten hinter den Absperrgittern in Osh bis wir nach dem letzten Flug „freigelassen“ wurden und das erst nach dem gezahlten Bussgeld fürs unerlaubte Fotografieren der russischen Propellermaschine.
Doch das Eindrücklichste und auch Abenteuerlichste war die 12-stündige Fahrt mit dem „Lastwagen“, einem russischen Armeegefährt, über Pisten, Pässe, durch tiefe Täler mit Jurten und winkenden Kindern, durch die Schlichtheit ergreifende grüne Matten und wilde rauhe Bergflanken. Durchgeschüttelt bis auf die Knochen, einer permanenten Ganzkörpermassage unterzogen, mit dreifachen Jumps zur Decke und – ich erlebte meinen ersten Höhenflug im Yogisitz – dachte ich nicht, dass ich so hoch abheben kann! Dank einem Loch im Schlauch hatten wir viele Stopps – für den Fahrer Igor zum Wasser nachfüllen und für uns zum Wasser ablassen. Selbst das Gepäck mit Bier, Coca Cola, Wasser, Brot und Früchten, beschwert mit unseren Rucksäcken, halbierte sich zumindest visuell um die Hälfte und bewegte sich lawinenartig nach vorne.
Fast von einem chinesischen Teekrug erschlagen oder von den medizinischen Forschungsmaterialkisten und Seesäcken erdrückt, erreichten wir nach einer Schüttelbecher- Bachbettfahrt das von Edelweiss, Vergissmeinnicht, Zelten und Jurten umsäumte Basislager. Der Blick auf den im strahlenden Sonnenlicht leuchtenden Pik Lenin, gespiegelt im klaren Bergsee vor dem Camp, versöhnte uns für alle Strapazen, und in Demut zu Füssen des weissen Gipfels sinke ich im warmem Schlafsack in einen tiefen Schlaf.

Jasmina Meier

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Felix Naef aus dem Basislager

Dienstag, Juli 28th, 2009

Anreise vom 25. – 28. Juli, ein floristisch-faunistischer Rückblick

1. Tag :
Abflug aus dem grünen Kloten, 1. Landung im mediterran ausgetrockneten Istanbul. 2. Landung inmitten der Nacht in Biskek, der Hauptstadt von Kirgisien. Der Flughafen ist kleiner als Kloten, nicht aber weniger sauber ausgenommen der fliegenden Heuschrecken, die von den Einheimischen mit stoischer Ruhe zerdrückt werden. Man könnte auf den blanken Böden essen; von 5’00 bis 7’00 haben wir erschöpft auf den Böden geschlafen.

2. Tag :
Flug von Bishkek nach Osh. Hier werden wir begrüsst von brütenden Schwalben in kaputten Strassenlaternen.  Auf dem Transfer in die Stadt sind alle Strassen begleitet von Kopfbäumen, deren Äste regelmässig den Haustieren verfüttert werden. Alle Baumstrünke sind weiss gestrichen gegen Schädlinge. Osh eine bröckelnde Stadt, wo überall Zufallsvegetation hervorspriesst. Hundegebell beim Einschlafen und Erwachen.

3. Tag :
Auf dem Transfer von Osh ins Basislager lernen wir die innerasiatische Steppe kennen. Karge Graslandschaft mit wenigen Bäumen, doch durchspickt mit bekannten Gartenpflanzen: weissen Stockrosen und Teppichen von blauen Salbei. Mittagessen nach 4 Stunden holpriger Fahrt an einem oasenartigen Ort, in einem Wald von Sanddorn.  Auf dem Hochplateau, 3′000 mü.M. glänzen die silbrigen Federgräser, die ihre westlichsten Ausläufer im Wallis haben.

4. Tag :
Einleben auf im Basiscamp. Die Zelte sind in einem Teppich von Edelweiss verankert. Ein Spaziergang in der Umgebung zeigt viele Verwandtschaften mit unserer Alpenvegetation, jedoch viel grau-silbriger sind die Arten: Angepasst an das extreme Licht und die Trockenheit.
Nur die Magen-Darmflora lässt sich noch nicht vergleichen mit jener der Schweiz.  

Felix Naef

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Andreas Rüegger aus dem Basislager

Dienstag, Juli 28th, 2009

Ankommen im Basislager auf 3995m

Die ersten Tage in Kirgisistan waren geprägt von tausend und einer Impression in einer orientalischen Welt. Eine unverständliche Sprache mit fremden kirgisischen Schriftzeichen, dem kyrillischen Alphabet ähnlich, zeigten die fremde Welt an. Der Markt in Osh mit seinem Völkergemisch und den vielen Gewürzen, Getreide, Brotwaren (und dem unvermeidlichen chinesischen Ramsch) liess einen an Marco Polo und die Seidenstrasse denken. Ich fühlte mich ob der vielen Eindrücke geradezu erschlagen.

Kari Kobler drückte es passend aus: „Lasst Euch Zeit, lasst die Seele auch ankommen“. Der Körper ist nach einer rüttelnden achtstündigen Fahrt endlich im Basislager gesund angekommen. Im  Basislager gilt es nun auszuruhen, mich an die Höhe anzugewöhnen und mir viel Zeit zu lassen. Hoffentlich kommt die Seele nun auch noch im Basislager an. Die Gedanken pendeln zwischen meinen Liebsten zu Hause, den Impressionen und unserem grossen Ziel dem Berg.

Ich bin gespannt wie es weiter geht, ich habe aber ein gutes Gefühl, solange ich gesund bleibe.

Andreas Rüegger

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Felix Naef, eine Woche vor dem Expeditionsstart

Sonntag, Juli 19th, 2009

Count down am Berg:
Den Versuch den Mont Blanc zu besteigen, dabei die Expeditionsschuhe einlaufen können. Kälte und Sturm konnten den Füssen nichts antun, die steilen Eiswände schon eher, denn der Halt in den Schuhen ist nicht vergleichbar mit dem Halt in normalen Schuhen. Doch dieser Mont Blanc Schnelltripp, zwei Tage, hat mentalen Halt gegeben. Die Zuversicht, dass die Vernunft grösser ist als das Gipfelfieber – 400 m unter dem Gipfel sind wir umgekehrt, haben den stürmigen Willen des Berges respektiert, ihn nicht unnötig herausgefordert. Dann das gute Gefühl, dass das schnelle in die Höhe gehen, hier oben schlafen, dem Körper nichts angetan hat, weder Kopfweh noch Schlaflosigkeit. Das Geheimnis : viel trinken, richtige Einstellung unterlegt mit einer anständigen Kondition. Und nie vergessen : das Glück.

Count down im Alltag:
Endlich sollte ich die letzten Details organisieren, Probe packen, mich auf die wenigen, erlaubten Kilos einstellen. Auch dieses Packen ist wie ein sich konzentrieren auf das Wesentliche. Auch in den Überlegungen und Gedanken: was ist wesentlich in meinem Leben, was will ich noch alles machen vor der Abreise? Wie übergebe ich alle Projekte im Büro? Welches Buch ist das richtige um mitzunehmen? Die Bibel, James Joyce Ulysses oder ganz pragmatisch ein Sudokuheft oder doch eher Meisterschachspiele wie in der Schachnovelle von Stefan Zweig? Oberflächliche Fragen wandeln sich zu essentiellen Fragen. Locker bleiben, sich lockern mit 10 km joggen im üppigen Wald. und nun noch der letzte … bis bald

Felix Naef

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Peter Ladriere - eine Woche vor dem Start der Expedition.

Samstag, Juli 18th, 2009

Der Countdown läuft - Take it easy, stay cool.

Der langersehnte Tag rückt immer näher. Die Zeit, die zeigt, wie sich all die Vorbereitungen im körperlichen wie auch im mentalen Bereich auswirken werden.
An den Start gehe ich mit einer gewissen Ruhe, bleibe konzentriert und stelle mir vor, dass alles in einer positiven Form geschehen wird.
Grosse Nervosität bringt in diesem Fall nicht viel, da die örtlichen Gegebenheiten die Expedition bestimmen und diese sowieso nicht beeinflusst werden können.
Wie man in gewissen Situationen reagieren wird, wird sicher auch von der inneren Stimme beeinflusst werden: Soll ich? Soll ich nicht?
Beim Material bin ich folgendermassen vorgegangen, dass ich all meine Sachen in einem Raum ausgelegt habe um so einen Überblick zu haben und zu entscheiden, ob ich doch noch etwas mitnehmen bzw.hier lassen soll.
Da durch die Augen und den Magen bestimmt wird, wie es einem zu Mute ist, habe ich, was die Eigenverpflegung angeht, alles nach meinen bekannten Gelüsten zusammengestellt.
Zum Schluss möchte ich nochmals bemerken, dass ich versuchen werde, alles ruhig anzugehen und den Stress im Alltag auf das Minimum herunterzufahren. Ich werde die letzten Tage vor der Expedition in der Natur verbringen und versuche so die Vorbereitung und später dann auch die Expedition zu geniessen. Am Berg möchte ich die Tage so verbringen, dass ich mich immer wieder gerne daran erinnern werde.

Peter Ladriere

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Jasmina Meier - eine Woche vor dem Start der Expedition.

Samstag, Juli 18th, 2009

Es ist nun fast ein Jahr her, seit ich erstmals von der Pik Lenin Expedition erfuhr und eine Teilnahme in Erwägung zog, und jetzt endlich - ist die lange Vorbereitungs- und Wartezeit fast vorbei - in genau einer Woche starten wir mit Sack und Pack Richtung Kirgistan!
Hätte ich die Höhenmeter meiner Hochs und Tiefs von Gefühlen in den letzten Wochen zählen können, wäre ich längst schon auf dem Pik Lenin angekommen!  Auf kurze Höhenflüge voller Optimismus folgten mulmige Gefühle, Anspannung, Fragen und immer wieder auch das Fehlen der erwünschten Motivation und Vorfreude was mich selbst nicht nur erstaunte sondern auch zusätzlich verunsicherte.
Doch durch die letzte ausgiebige Bergtour und das richtige Probepacken zusammen mit der zum x-ten Mal gelesenen Materialliste und dem Etappenbeschrieb ist die Expedition nun doch greifbarer und konkreter geworden. Die Reisegeister sind geweckt und aktiv! In diesen letzten Tagen noch Kleinigkeiten besorgen, packen und dann einfach entspannen, Kräfte tanken und die hiesige Wärme geniessen - es chunnt wies chunnt und es chunnt scho guet! Ich freu mich druf - lets go! :-)

Jasmina Meier

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Andreas Rüegger, zwei Wochen vor dem Expeditionsstart

Sonntag, Juli 12th, 2009

Fragen über Fragen

Die Nervosität steigt. Das zeigt sich auch daran, dass ich jetzt schon zum x-ten Mal meine Tasche ein und wieder ausgepackt habe. Habe ich an alles gedacht? Ständig kommen mir noch Kleinigkeiten in den Sinn. Sachen und Sächeli, die ich auch noch mitnehmen könnte.. Wenn da nur nicht die  Gewichtslimit von 23 kg wäre….. . Nicht zu vergessen auch die Tatsache, dass ich am Berg dann auch den Rucksack selber schleppen muss. Habe ich aber wirklich alles Nötige dabei?

Wie es ist mit einem schweren Rucksack in der Höhe zu gehen, habe ich am Wochenende in Zermatt getestet. Mit den Tourenskis ging es in einem Eilmarsch vom Trockenen Steg bis auf das Kleine Matterhorn. Fazit: Die Fitness stimmt. Die 15 kg im Rucksack waren nicht zu viel und auch auf 3800 Meter über Meer konnte mir die dünne Luft nichts anhaben. Doch die Zweifel bleiben: Habe ich genügend trainiert?

Einen Vorgeschmack auf die die Kälte hatte ich beim Aufstieg. Auf 3600m fing es an zu schneien und es wehte eine kalte Bise. Schliesslich wurde es mir im Kurzarmleibchen doch zu kalt und ich musste eine Windjacke anziehen. Am Pik Lenin wird es dann wohl eher eine Daunenjacke sein, die mich warm halten muss. Zu schaffen werden mir die zu erwartenden grossen Temperaturunterschiede machen. Tagsüber soll die Sonne mit 40° plus brennen, nachts soll das Quecksilber auf empfindliche Minusgrade fallen. Ich bin gespannt, wie ich das ertrage?

In Zermatt habe ich eine wichtige Kleinigkeit besorgt: Walliser Trockenfleisch und Speck sollen dazu dienen, meine Motivation und Energie im ewigen Eis aufrecht zu erhalten. Die Expeditionsleitung hat uns gesagt, dass Gelüste sich in der Höhe verändern sollen. Normalerweise stehe ich nicht allzu sehr auf Süssigkeiten stehe und halte mich an das „Rässe“. Habe ich richtig eingekauft?

Die Gedanken sind nun immer öfters „am Berg“. Ich suche im Internet fleissig nach Berichten von anderen Bergsteigern, die sich schon am Pik Lenin versucht haben. Es sind zum Teil unglaubliche Erlebnisse, die zu finden sind. Ist es wirklich so hart?

Fragen über Fragen.

Andreas Rüegger

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Jasmina Meier, Hagendorn, 5 Wochen vor Expeditionsstart

Dienstag, Juni 23rd, 2009

Handschuhe. Die fehlen noch, nicht einfache flauschige Winterhandschuhe, sondern dicke und warme, extrem warme. Sie sind nur ein kleiner Teil der benötigten Ausrüstung für den Pik Lenin-Gipfel (hoffentlich). In der Vorbereitung auf meine erste Expedition auf über 7000m, versuche ich mich dem Extremen anzunähern, das bisher Unerfahrene zu erahnen und mich dafür zu rüsten.
            Auf dem Kühlschrank sehe ich täglich die Expeditionskarte vom Basislager, diese saftig grüne Wiese, die Jurten, der See in Herzform und der überragende weisse Gipfel. Die Wörter auf den die Karte umrahmenden Magneten lauten ‚challenge‘, ‚trust‘, ‚exitement‘, ‚energy‘ und ‚courage‘ und werden immer wieder von anderen abgelöst oder ergänzt. Sie sind Ausdruck meiner Einstimmung auf die bevorstehende Herausforderung, das erforderliche Vertrauen in mich und das Leben selbst, die Vorfreude auf alle kommenden Erlebnisse und die benötigte innere Kraft und den Mut, mich auf dieses Höhenabenteuer einzulassen.
            Noch ist die Vorbereitung geprägt von Fragen (z.B. Was essen um ein Reservepolster anlegen?!) und hin und wieder auftretenden Zweifeln, doch mit jedem Stück das die Ausrüstung vervollständigt und mit jedem Besuch im Trainingscenter löst sich meine Anspannung und ich denke neugierig immer mehr auch an das noch fremde Land, seine Menschen und Kulturen und die Reise dorthin.
            Daunenhandschuhe sollen es sein, genug gross und im Schnitt passend, damit z.B. noch Steigeisen montiert werden können und dünnere Handschuhe auch noch darunter Platz haben. Denn kalte Finger auf dieser Höhe, das gilt es zu vermeiden, und dafür werde ich auch noch diese gelben Wärmesäckchen einpacken, die grossen natürlich. Dann habe ich endlich mal warme Handschuhe - wirklich warme und damit werde ich wohl auch beim Skifahren nicht mehr frieren. Somit ist ein warmes
Stück mehr im Rucksack neben Daunenjacke, Daunenfinken, Wärmehose und den kniehohen Expeditionsschuhen - jetzt fehlt nur noch der leichte
Pickel, denn nicht nur extrem warm sondern auch leicht soll alles sein …

Jasmina Meier